Leben

Unsere Coronahochzeit

Leider gehörten auch wir zu jenen Paaren, die in der Hochphase der Coronapandemie gleichzeitig ihre Hochzeit geplant hatten. Und es war eine schwierige Zeit.

Die Planung:

Eigentlich hatten wir eine semi-große Hochzeitsfeier geplant mit all unseren liebsten Menschen. Wir hatten die perfekte Location, das perfekte Standesamt, die perfekten Trauzeugen und jeweils (zum Glück) unsere JGAs bereits gefeiert. Es war Mitte März, als immer mehr klar wurde: Wir können unsere Feier nicht ausrichten. Wir wollten weder unsere Liebsten, noch uns in eine Gefahr einer möglichen Ansteckung bringen und so sagten wir rund einen Monat vor der Feier ab. Zwei Tage später kam dann das endgültige Verbot solcher Veranstaltungen durch die Landesregierung.

Zu dem damaligen Stand war es jedoch noch möglich, insgesamt bis zu 10 Personen mit aufs Standesamt zu bringen. Wir waren also frohen Mutes, dass wir dennoch mit unseren Verwandten und Trauzeugen zumindest die Trauung feiern konnten. Dabei schwang aber auch hier schon immer die Angst mit: Was, wenn gerade diese Feierlichkeit dann zu einer Ansteckung unserer teils schon älteren Verwandtschaft führt? Ich wollte meine Großeltern unbedingt dabeihaben, gleichzeitig kam ich mir so unglaublich egoistisch vor, weil ich sie dann dieser Gefahr aussetzen würde. Mein Mann und ich haben lange darüber diskutiert, das Für und Wider abgewogen und dabei floss auch die ein oder andere Träne. Letztendlich sagten wir dann auch schweren Herzens meinen Großeltern und der Mutter meines Mannes ab. Auch hier kam dann wenige Tage später die Nachricht des Standesamtes, dass nur noch Personen aus dem gleichen Haushalt anwesend sein dürften.

Zum Glück hatten wir großartige Ansprechpersonen bei unserem Standesamt. Alle Beteiligten waren sehr zuvorkommend, informierten uns und gaben uns sämtliche Möglichkeiten, wie wir dennoch eine tolle Hochzeit haben konnten – mit all unseren Liebsten!

Um unsere Wohnung dennoch feierlich zu gestalten, schmückte ich am Tag vor unserer Trauung den Tisch mit Tüll, Blumen und kleinen Osterhasen. Zudem hatten wir bei bezahlbare-blumen.de die Überraschungsbox bestellt und auch ein paar Freunde hatten uns Blumen geschickt. So glich unser Wohnzimmer am Tag der Hochzeit einer Orangerie.

Die Hochzeit:

Entgegen der ursprünglichen Planung frühstückten wir am Tag unserer Hochzeit zuhause und machten uns auch selbst fertig. Es war sehr entspannt. Ich hatte mich kurzfristig für ein anderes Hochzeitsoutfit entschieden um an unserer – nun neu geplanten – freien Trauung das ursprüngliche Dress anzuziehen. Wir packten unsere Masken, unsere Ausweise, die desinfizierte Kamera, das Handy, ein Stativ und eine Flasche Sekt sowie zwei Gläser ein und fuhren am frühen Vormittag zum Standesamt. Leider hatte ich dann doch meinen Brautstrauß vergessen, was mich allerdings nicht weiter störte.

Als wir am Standesamt ankamen – viel zu früh und doch für Coronazeiten rechtzeitig – bauten wir das Stativ auf, steckten das Handy auf und begannen in die Wohnzimmer unserer Liebsten zu streamen, so waren tatsächlich alle dabei. Viele hatten ein Sektglas in der Hand und sich hübsch herausgeputzt. Es war schön, so die letzten Minuten bis zur Trauung zu verbringen.

Auch während der Trauung durfte gestreamt werden. Die Standesbeamtin hatte Musik aufgelegt, sprach die Gäste vor den Computern, Tablets und Handys direkt an und machte sogar Fotos von uns während der wichtigen Phasen der Trauung. Wer konnte vor der Pandemie schon behaupten, die Standesbeamtin hätte die Hochzeitsfotos gemacht?  Die Zeremonie war sehr emotional und ich erwischte mich dabei, wie ich die ein oder andere Träne wegblinzelte. Beim Zitat von Max Herre mussten wir dann beide schmunzeln, weil es uns jeweils nicht in den Sinn gekommen wäre, ausgerechnet diesen großen Philosophen unserer Zeit zu zitieren 😉

Nach der Trauung streamten wir auf dem Vorplatz munter weiter, machten Fotos und tranken mit unseren Gästen, bis wir nach rd. einer halben Stunde von den Sicherheitsbeamten verscheucht wurden. 

Zuhause gab es dann einen selbst gebackenen Hochzeitskuchen, noch mehr Sekt und eine Ansprache meiner Trauzeugin. Wir waren froh, dass wir Zuhause waren, so konnten wir am späten Nachmittag ein Stündchen auf der Couch dösen, bevor wir am Abend Pizza bestellten und weitere Freunde sich per Stream zu uns schalteten.

Gegen Mitternacht fielen wir dann auch erschöpft – aber glücklich – ins Bett.

Fazit:

Obwohl wir eine ganz andere Hochzeit geplant hatten, war unsere Coronahochzeit wunderschön – auch, weil jeglicher Stress entfiel und wir den Tag entspannt angehen konnten. Hätten wir unsere geplante Feier gehabt, hätten wir ab 7:00 Uhr morgens keine ruhige Minute mehr gehabt und bis weit nach Mitternacht durchgepowert. So schliefen wir aus, hatten leckeres Essen und sogar Zeit für uns zwei. Wir sind dankbar, dass trotz der räumlichen Trennung all unsere Freunde und Liebsten sowohl bei der Trauung, als auch später bei uns Zuhause dabei waren und uns so einen wunderbaren Tag bereitet haben.

Natürlich werden wir unsere Feier nachholen, wenn auch mit ein paar Änderungen. Wollte ich z.B. vorher nie eine freie Trauung, steht diese nun ganz oben auf unserer Wunschliste. Auch die Location muss sich ändern, da sich unsere alte dazu entschlossen hat, die aktuelle Zeit zu nutzen und komplett umzubauen. Aber ein etwas Gutes hat die Sache: Wir können bei der Planung komplett von vorne anfangen und neue Ideen einbringen und auch die Gästeliste etwas erweitern.

Unsere standesamtliche Hochzeit war großartig! Und dafür bin ich seitdem jeden Tag dankbar! 

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