Bild einer leeren Hängematte
Zeitmanagement

Unproduktivität – Eine etwas andere Sichtweise

Unproduktivität, Langeweile, das Gefühl nicht zu genügen oder abgehängt zu werden, Unlust…

Dinge, die sicher jedem bekannt vorkommen. Und für diejenigen, die darauf achten, ihre Zeit sinnvoll zu nutzen, wie Schreckgespenster erscheinen.

Die Ausgangssituation

Du bist ordentlich strukturiert, es sieht aus, als bekämst du die meisten deiner Aufgaben erledigt. Aber du möchtest natürlich besser werden, mehr schaffen. Wie passt es dazu, dass du den Drang hast, dich den halben Tag vor den Fernseher zu setzen oder lustige Bilder/Videos im Internet durchzuklicken?

VORSICHT, KÜCHENPSYCHOLOGIE 😉

Unsere Gedankenwelt und was uns schlussendlich zum Handeln oder Nicht-Handeln bringt, birgt unheimlich komplexe Vorgänge. Sich selbst zu verstehen oder zielgerichtet zu handeln, scheint eine Lebensaufgabe zu sein. Zeitschriften, Artikel oder Podcasts, die ein wenig Hintergrundwissen zu diesem Thema bieten, haben mir mit meinem inneren Schweinehund geholfen. Der innere Schweinehund ist wie das Monster unterm Kinderbett – nur in unserem Kopf. In meinem Kopf bin nur ich, mit meinen Gedanken und Gefühlen.

Jeder, der schon einmal mit einer starken inneren Unruhe oder vielen Gedanken ins Bett gegangen ist und nicht schlafen konnte, kann erahnen, dass der Umgang mit sich selbst nicht immer einfach ist.

WAS ABER MUSS ICH IN KONTEXT MEINES ZEITMANAGEMENTS BEACHTEN, DAMIT SICH MEIN PLAN UND MEIN KOPF NICHT IN DIE QUERE KOMMEN?
1. AKZEPTIERE, DASS DU AUSZEITEN BRAUCHST

Das ist leichter gesagt, als getan. Wenn eine Deadline im Kopf herumschwirrt, die Aufgaben sich stapeln, der Gedanke “Ich könnte doch noch…” dominiert und eine Pause gerade nicht im Plan steht…

Das Gehirn braucht Pausen. Das Pomodoro-Prinzip geht ungefähr von einer 25-minütigen Konzentrationsphase bei 5 Minuten Pause aus. Das Gefühl, leicht ablenkbar zu sein, mag das Gehirn auf der Suche nach einem Ausweg aus belastenden Gedanken sein. Sich deswegen Vorwürfe zu machen oder in Panik zu geraten, dass man etwas nicht schaffen würde, bringt einen nicht weiter. Es ist völlig normal, bei gewissen Aufgaben Stress zu empfinden und ebenso völlig normal, Auszeiten zu nehmen. Oder: Ohne Auszeit, keine Produktivität. Jedenfalls nicht auf Dauer.

2. PLANE AUSZEITEN EIN

Viel Druck kann schon genommen werden, indem der eigene Rhythmus von vornherein in die Planungen einbezogen wird. Arbeite ich lieber ohne viele, geplante, Pausen dazwischen und nehme vielleicht in Kauf, dass ich mich zwischendurch ablenke oder nehme ich mir kurze, knackige Konzentrationsphasen mit ebenso straffen Pausen dazwischen?

3. SETZE ZIELE

…und damit vor allem: realistische. Jede Aufgabe kann sich als etwas umfangreicher herausstellen, als sie geplant war. Mir hilft die SMART-Technik da gerne weiter:

Ziele müssen

  • Spezifisch,
  • Messbar,
  • Attraktiv,
  • Realistisch, und
  • Terminierbar

sein. Die Auseinandersetzung mit SMART ist einen eigenen Blogbeitrag wert. An dieser Stelle darum nur soviel: Das Ziel muss konkret sein und im Zweifel eher weiter unten angesetzt sein, um gegebenenfalls noch ein wenig Luft zu haben, unvorhergesehenes einzuschieben. Unvorhergesehen kann ja zum Beispiel auch eine zusätzliche Pause sein.

4. AUSZEITEN BEWUSST GESTALTEN

Auszeiten sind so individuell, wie es unsere Hobbies auch sind. Zwingend notwendig für eine Auszeit ist aber, dass man auf andere Gedanken kommt oder jedenfalls die Gedanken, die einen ansonsten den ganzen Tag beschäftigen, stoppt. Letzteres benötigt ein wenig Übung und man muss sich darauf einlassen, aber es lohnt sich. Ich zum Beispiel nutze eine App zur Meditation, die mit angenehmen Sprecherstimmen zum Beispiel dazu führt, dass man seinen Körper wahrnimmt. Auch Geschichten zum Schlafen für Kinder und Erwachsene werden angeboten. Es sind ebenso niederschwellige, kurze Meditationen zum Wiedereinschlafen, zum Wandern oder den Weg zur Arbeit verfügbar.

Weitere, für mich funktionierende Auszeiten sind:

  • Sport (am besten leichter Ausdauersport)
  • Musik (das variiert, da Musik auch manchmal stresst)
  • Bücher (vor allem abends funktioniert das besser als bewegte Bilder)
  • Essen (funktioniert gerne mal zu gut; aber damit ist auch die Tätigkeit des “Kochens” gemeint )
  • Schlafen (#TeamMittagsschlaf!)
5. UND WENN NICHTS HILFT?

Zeitmanagement ist nicht dazu da, dass man sich schlecht fühlt, weil man ja noch so viel mehr schaffen könnte. Es ist ein Instrument, um vorhandene Handlungspotenziale zu erkennen und sich selbst zu strukturieren, vielleicht noch, um seine eigene Wahrnehmung zu schärfen. Manchmal braucht es ein wenig Zeit und einige Versuche, um zu “seinem” System zu kommen. Aber auch die Erkenntnis, dass etwas für jemanden nicht funktioniert, ist eine Erkenntnis.

Hast du hingegen ernsthafte Sorge, dass du ein Gedankenkarussell hast, welches du nicht stoppen kannst? Leidest du unter Antriebslosigkeit, Unruhe, Ängsten, Stress oder Panikzuständen? Wenn ja, sprich bitte mit einer Ärztin*einem Arzt deines Vertrauens darüber. Zugegeben, auch mir sind schon Exemplare der Gattung Mediziner*innen begegnet, die wenig Fingerspitzengefühl im Zusammenhang mit nicht-physischen Leiden gezeigt haben, den oder die richtige*n Gesprächspartner*in zu finden, kann mühselig und demotivierend sein. Terminservicestellen der Krankenkassenvereinigungen können helfen, hier einen spezialisierten Menschen zu finden. In den meisten und besten Fällen kann hier leicht Abhilfe geschaffen werden.

ZUM SCHLUSS…

…eine Literaturempfehlung: Schnelles Denken, Langsames Denken von Daniel Kahneman. Ein populärwissenschaftliches Buch über Psychologie, welches im Wesentlichen beschreibt, dass der Mensch von zwei unterschiedlichen Denksystemen beherrscht ist: Dem schnell reagierenden, emotionalen und unbewussten Denken und dem langsamen, logischen und schnell ausgelaugten Denken. Das Buch bietet viele Inspirationen und zeigt einem viele Denkfehler, die einem auch im Alltag begegnen. Interessant ist auch, wie Kahneman beschreibt, dass das Framing Entscheidungen massiv beeinflussen kann.

Erste Hilfe bei Unproduktivität: Akzeptiere, dass du Auszeiten brauchst. Plane Auszeiten ein. Setze dir Ziele. Gestalte deine Auszeiten bewusst. Frage dich, wieso du unproduktiv bist.

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