Studentenleben

Das digitale Semester: Uni-Seminare via Videokonferenzen

Es scheint, als bliebe das Sommersemester ein reines digitales Semester. Neben den täglich anfallenden Arbeiten finden an vier Wochentagen Seminare und Vorlesungen statt. In der fünften Vorlesungswoche dieses außergewöhnlichen Semesters sind Seminare via Videokonferenzen nicht mehr ganz so ungewohnt und ich gehe mittlerweile sehr viel entspannter mit diesem neuen Medium um.

Der soziale Kontakt

Es tut gut, so seine Kommilitonen und Dozenten zu sehen und zu hören, auch wenn dies nicht den normalen zwischenmenschlichen Kontakt ersetzen kann. Es geht in der Kommunikation, die persönlich schon schwierig genug ist, zu viel verloren. So fehlt einfach der direkte Austausch mit den Kommilitonen im Online-Seminar schon sehr. Oder auch nur das kurze Spicken beim Nachbarn, die kurze Frage an den Gegenüber, das Sitzen auf harten Stühlen im Seminarraum… Okay, letzteres vermisse ich nicht.

Der einzige Kontakt findet in den Videokonferenzen statt, private Unterhaltungen sind damit nahezu ausgeschlossen. Zwar werden weiterhin Gruppenarbeiten angeboten und verlangt, aber auch diese beschränken sich auf den rein fachlichen Austausch. Der Vorteil ist, dass man sich so mehr auf das Wesentliche konzentrieren und effizienter arbeitet kann. Aber lebt ein Studium nicht auch von der sozialen Komponente? Man kommt nicht mehr vor oder nach den Seminaren ins persönliche Gespräch und man trifft auch niemanden mehr auf den Weg zur Bibliothek und verquatscht sich. Auch der spontane gemeinsame Kaffee zwischen zwei Veranstaltungen fällt weg. Das Kennenlernen von interessanten Menschen endet am Bildschirm des anderen. Damit fehlt ein großer Teil des Studentenlebens und das vermisse ich. Wie empfindet ihr diese Situation und habt ihr Tipps, besser damit umzugehen?

Die technische Komponente

Technisch läuft es dagegen erstaunlich gut. Größere Serverausfälle blieben bislang aus und nur vereinzelt gibt es Ton- oder Bildprobleme. Mittlerweile sind mehrere Dozenten von Cisco Webex auf Zoom umgestiegen, obwohl die Universität dafür nicht genügend Lizenzen hat. Aber nachdem unsere Rektorin in einem Interview mit Der Welt freimütig darüber geredet hat, sehen die wenigsten darin noch ein Problem.

Allerdings hat diese Technik auch Nachteile. Plötzlich gewährt man fremden Menschen einen Einblick in die eigenen vier Wände. Wer einen Laptop hat, sucht sich eine neutrale Ecke oder platziert sich vor einer weißen Wand. Wer einen normalen Rechner hat, ist dagegen meist nicht so frei und präsentiert so einen intimen Blick in seine Wohnung. Eine Freundin erzählte mir, sie hatte ein Meeting mit einer Vorgesetzten und musste sich dabei abwertende Kommentare über ihre Einrichtung anhören.

Zum Glück gibt es für Zoom und Microsoft Teams schöne Hintergründe, die man sehr leicht einbinden kann. Und es gibt eine sehr große Auswahl. Ich habe mich zum Beispiel bei Pixabay, einem Archiv für kostenlose und lizenzfreie Bilder, für ein Bild einer Bibliothek entschieden, das zu meinem Germanistik-Studium passt. Sehr viel stylischer und nerdiger geht es mit der BBC, die u.a. Hintergrundbilder aus der Tardis anbietet. Selbst die Deutsche Bahn ist auf den Trend aufgesprungen und versetzt euch virtuell in ein 1. Klasse Abteil eines ICEs oder in den Füherstand einer Lok. Und es funktioniert erstaunlich gut.

Hintergrund: Bibliothek, Vordergrund: fleißige Studierende.

Dennoch sollte man nie vergessen, wer einem in einem Meeting gegenüber sitzt. Seiner Chefin sollte man vielleicht nicht unbedingt aus den Ruinen des Todessterns entgegenblicken.

Ein weiteres gutes Feature bei Zoom, Webex & Co ist, dass man sein Mikrofon stummschalten kann, größtenteils kann das auch der Konferenzleiter. So stört man nicht mit seinem lauten Tastaturgeklapper, dem Blättern in seinen Unterlagen oder der Vibration des Smartphones. Bei Zoom ist auch Push-to-talk möglich, was insbesondere Gamer schon von Teamspeak oder Discord kennen dürften. Durch diese Einstellung ist das Mikrofon so lange aus, bis man eine bestimmte Tastenkombination betätigt.

Fazit

Das digitale Semester hat definitiv einiges zu bieten, auch wenn eindeutig der soziale Kontakt mit seinen Kommilitonen darunter leidet. Der größte Pluspunkt ist jedoch, dass man bei dem ein oder anderen Meeting seine Kamera sowie sein Mikrofon einfach ausschalten kann. So kann man am Seminar teilnehmen ohne ständig interessiert und aufmerksam auf den Dozenten oder die Dozentin blicken zu müssen. Ein Feature, dass ich zumindest gerne nutze und bei zukünftigen Präsenzveranstaltungen vermissen werde.

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